Gewitzte Gedichte im Gymnasium

Lyrikabend zum Thema „Die komischen Deutschen"

Etwa 170 Zuschauer verfolgten am 5. April 2011 in der Aula des Gymnasiums die eindrucksvollen Darbietungen von 14 Schülerinnen und Schülern des Deutsch-Leistungskurses der Jahrgangsstufe 12. Insgesamt 27 komische Gedichte trugen die Gymnasiasten vor. Damit wollten sie das landläufige Vorurteil widerlegen, die Deutschen seien ein stets bierernstes, griesgrämiges und humorloses Volk.

Bereits seit einigen Jahren wird am Gymnasium die Tradition gepflegt, dass Deutsch-Leistungskurse in unregelmäßigen Abständen zu öffentlichen Rezitationsabenden einladen. Zum fünften Mal hatte sich ein solcher Kurs jetzt die Mühe gemacht, in nur vierzehntägiger Vorbereitungszeit Gedichttexte unter dem Motto „Die komischen Deutschen" zusammenzustellen und deren Vortrag einzustudieren. Kursleiter Martin Turowsky erläuterte zu Beginn, dass der Schwerpunkt des Abends auf der Präsentation gewitzter Gedichte, sozusagen aufgeklärter Komik liege, nicht aber Comedy dargeboten werden solle. Vielmehr gehe es um solche Formen komischer Dichtung, die neben aller Spottlust ein gehöriges Maß von Zeit- und Kulturkritik enthielten oder mit Sprachwitz aufwarten könnten, wo es sich um sprachspielerische Scherz- und Lautgedichte handle.

Und so wussten die Mitglieder des Kurses mit einem überaus vielfältigen Programm zu überzeugen. Klassische Texte der politischen Satire von Heinrich Heine waren ebenso vertreten wie Gedichte der berühmten Kabarettlyriker Kurt Tucholsky, Erich Mühsam oder Erich Kästner. Wilhelm Busch durfte genauso wenig fehlen wie Heinz Erhardt, Robert Gernhardt oder Ernst Jandl. Frederik Jennen und Jeanny Schrader moderierten den Abend und führten die Zuschauer charmant und mit viel Sachverstand durch die Themenschwerpunkte, zu denen die Einzeltexte arrangiert worden waren. Modetrends des Zeitgeistes wurden scharfzüngigem Spott unterworfen, Vater-Sohn-Beziehungen augenzwinkernd aufs Korn genommen, Fabeln oder klassische Texte Goethes und Shakespeares parodiert.

Abwechslungsreichtum bewiesen die Mitglieder des Leistungskurses auch im Hinblick auf die unterschiedlichen Gestaltungsformen ihrer Vorträge. Kathrin Nordemann las in bissigem Tonfall Auszüge aus Heines Reise-Epos „Deutschland. Ein Wintermärchen". Mit kraftvoller Stimme und schauspielerischem Talent gab Tobias Siebert den „Lampenputzer" aus Mühsams gleichnamigem Gedicht zum Besten. Neben diese solistischen Auftritte gesellten sich szenische Gestaltungen zu zweit, in kleinen oder größeren Gruppen. Die kirchenkritische „Römische Elegie" Robert Gernhardts etwa spielten Danica Brüggemann und Sarah Wilhelmstrop als freche Kontrafaktur eines Dialoges im Beichtstuhl. In einem weiteren Gedicht dieses Autors entlarvte der Vater (Danica Brüggemann) im beiläufigen Gespräch das rassistische Denken seines Sohnes (Juliane Kiwitt). Das berühmte dadaistische Gedicht „Karawane" von Hugo Ball inszenierte eine sechsköpfige Gruppe mit provozierend albernem Gestus gleichsam als Marsch tapsiger Elefanten, was vom Publikum mit herzlichem Gelächter quittiert wurde. Und nicht zuletzt wussten die jungen Rezitatoren auch noch mit musikalischen Vorträgen zu überzeugen: Ringelnatz' Gedicht „Bumerang" führten sie als Sprechkanon auf, und zum abschließenden Höhepunkt des Abends wurde der Song „Facebook" der A-capella-Band Wise Guys, welcher in kabarettistischem Sprechgesang zu Gehör gebracht wurde.

Mit kräftigem Applaus bedankte sich das Publikum für einen gleichermaßen vergnüglichen wie geistreichen Abend. Die vorgetragenen Texte hatten offenkundig erfolgreich dazu beigetragen, den Humor der „komischen Deutschen" zu erweisen.

Bildimpressionen zum Vortragsabend

Fotos von Sebastian Scharf