Zur Entwicklung eines Methodencurriculums Teil 2

Es gibt nichts einzuwenden gegen einen guten informativen Lehrervortrag im Unterricht, aber es geht nicht an - das hieße, alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ignorieren - als Lehrender ständig Dreh- und Angelpunkt des Unterrichtsgesprächs zu sein, jede Äußerung zur „Chefsache" zu erklären und zu kommentieren, Lernende am Gängelband nur eines Lernweges zu halten und zu glauben, dass die Schülerinnen und Schüler alles das am besten mitbekommen, was wir vorne sagen, schreiben oder diktieren.

Der Ansatz des selbstständigen und eigenverantwortlichen Lernens setzt voraus, dass die Schülerinnen und Schüler von Lehrenden begleitet werden, die sich trauen, ihre alte Rolle „loszulassen", und den Lernenden zutrauen, sich um den eigenen Lernprozess intensiv zu kümmern.

Große Firmen - auch hier am Ort - zeigen uns, dass sie dieses Zutrauen haben. Beim letzten Praktikantenbesuch konnte ich mir ansehen, wie Praktikanten und Auszubildende unterschiedlicher Lehrjahre an Sechsergruppentischen und in einem „Besprechungsraum" komplexe Aufgabenstellungen gemeinsam bearbeiten und sie erst dann (!), wenn niemand aus den verschiedenen Gruppen Lösungsvorschläge mehr hat, den Meister um Hilfe bitten. Gelangweilte Gesichter habe ich dort nicht gesehen, aber große Kompetenzen hinsichtlich des eigenverantwortlichen Lernens und der Beherrschung dazu notwendiger Methoden.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch an unserer Schule wurde und wird vielfach in der oben skizzierten Art und Weise gearbeitet! Es fehlte bis jetzt aber ein fächerübergreifendes Methodencurriculum, das die vielen sinnvollen Einzelaktionen koordiniert, damit nicht jeder Lehrende immer wieder und jeder für sich alleine von vorne anfängt und auch die Schüler nicht mit punktuellen Aktionen verunsichert bzw. übersättigt werden.

Des Weiteren zeigen Untersuchungen zum sehr erfolgreichen 7-jährigen Modellversuch von „Schule und Co", erprobt in Leverkusen und im Kreis Herford, dass neue Lern- und Lehrmethoden erst dann nachhaltig ins eigene Methodenrepertoire (bei Schülern und Lehrern!) übergehen, wenn sie von mindestens 2 bis 3 Lehrenden (Team) innerhalb einer Klasse kontinuierlich gepflegt werden.

Welche Konsequenzen hat das Gymnasium Harsewinkel aus all diesen Beobachtungen und Erkenntnissen zum „selbstständigen Lernen" gezogen?

  1. Im September 2003 hat sich eine sogenannte „Methodengruppe" aus zunächst fünf Mitgliedern gebildet, die sich jetzt bereits verdoppeln konnte.
  2. An einem „Pädagogischen Tag" ( 17.02.04, schulinterne Lehrerfortbildung nach dem Halbjahreszeugnis) wurde in Absprache mit den einzelnen Fachschaften ein vorläufiges Methodencurriculum für die Jgst. 5 bis 13 entwickelt: Es gibt einen Überblick darüber, welche Fachschaft im Sinne der Arbeitsteilung wann welche Methoden einführt - optimalerweise in Übereinstimmung mit den eigenen Richtlinien.3.
  3. Mit Beginn der jetzigen Jahrgangsstufe 5 wurden die „Einführungstage" um einen Tag auf drei aufgestockt, um an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, eingebettet in Klassengeschäfte und Kennenlernspiele, zwei methodische Trainingsspiralen zu den Themen „Lernen lernen" und „Sinnerfassendes Lesen" anbieten zu können. Fünfzehn Kollegen und Kolleginnen haben sich dazu schulintern fortbilden lassen.
  4. An einem weiteren „Pädagogischen Tag" am 14. Feb. 05 haben externe „Trainer und Trainerinnen für Unterrichtsentwicklung" vom Projekt „Schule und Co" dem gesamten Kollegium in Form eines kostenlosen „Schnuppertages" Einblicke in das zu Grunde liegendeGesamtkonzept ermöglicht.
  5. Inzwischen haben wir einen vorläufigen Rahmenplan erarbeitet und festgelegt, welche Fachgruppe für welche Bausteine des Methodencurriculums zuständig ist. Unsere Aufgabefür die nächsten Monate wird sein, diese Bausteine inhaltlich auszufüllen und zu evaluieren.