Im Schuljahr 2009/10 inszenierte der Theaterkurs der Jahrgangsstufe 12 unter der Leitung von Martin Turowsky Bertolt Brechts Parabelstück „Der gute Mensch von Sezuan" (Uraufführung 1943 am Schauspielhaus Zürich). Am 06., 08. und 09. Juli 2010 brachten die 25 Schülerinnen und Schüler des Kurses das Stück in einer - trotz umfangreicher Kürzungen - dreistündigen Strichfassung auf die Bühne der Aula des Gymnasiums. Ungeachtet der extremen Hitze in der Aula an den heißesten Tagen des Jahres wusste der Kurs mit einer großartigen Leistung zu überzeugen. Dem Grunddilemma der Hauptfigur, unter den Bedingungen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung „gut zu sein und doch zu leben", trug man Rechnung, indem die Rolle der Prostituierten Shen Te, die ihren Vetter Shui Ta erfindet und in einer sogenannten Hosenrolle selbst verkörpert, auf zwei Schauspielerinnen verteilt wurde (Sara Muñoz-Hermann als Shen Te und Antje Müller als Shui Ta). Die Selbsteinschätzung der Shen Te, dass ihr moralisch-ökonomisches Dilemma sie letztlich „wie ein Blitz in zwei Hälften" zerrissen habe, wurde so überaus sinnfällig. Klug eingesetzte Lichtwechsel ermöglichten es den Figuren, aus dem Spielgeschehen herauszutreten, den Zuschauern die Verwandlung Shen Tes in ihren Vetter vor Augen zu führen, die Handlung des Stückes gemäß der Verfremdungstheorie des Autors in Wendungen an das Publikum oder in gerappten Songs zu reflektieren und zu kommentieren. Zentrales Element des Bühnenbildes war der auf Podesten erhöht montierte Tabakladen, dessen Wandlung von einer Bruchbude zu einem Wohlstand signalisierenden Kontor mit wenigen Umdekorationen anschaulich gemacht wurde, während die Akkordarbeit in der Tabakfabrik durch pantomimisches Spiel zu monotoner minimal music in Szene gesetzt wurde. Als klares Abbild gesellschaftlicher Hierarchie wurden die Kostüme gestaltet: Während das einfache Volk barfüßig in schlichten, teils zerrissenen Gewändern auftrat, waren die Vertreter der wohlhabenderen Gesellschaftsschichten an ihrer individualisierten Kleidung erkennbar. Und so fügten sich die einzelnen Elemente der Inszenierung zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Teilweise außerordentliche schauspielerische Leistungen der jungen Akteure wurden mit lang anhaltendem, freundlichem Applaus bedacht.
